Trafoi auf alten Ansichtskarten

Trafoi – das Bergdorf am Fuß des Ortlers
Zwischen Gletschern, Wallfahrern und den Anfängen des Alpentourismus
Wer heute nach Trafoi kommt, findet einen ruhigen Ort mitten in den Bergen. Nur wenige Häuser schmiegen sich auf rund 1.570 Metern Höhe an die Hänge des Trafoitals. Über allem thront der Ortler, mit 3.905 Metern der höchste Berg Südtirols. Doch hinter der beschaulichen Kulisse verbirgt sich eine Geschichte, die weit über das kleine Bergdorf hinausreicht.
Trafoi gehört zur Gemeinde Stilfs und liegt direkt an der berühmten Stilfserjochstraße. Heute ist der Ort vor allem Wanderern, Bergsteigern, Radfahrern und Wintersportlern bekannt. Doch lange bevor die ersten Urlaubsgäste kamen, war Trafoi bereits ein besonderer Platz. Der Name des Dorfes dürfte sogar auf die „Drei Brunnen“ zurückgehen, deren Quellen seit Jahrhunderten verehrt werden. Die Wallfahrtskirche „Unsere Liebe Frau zu den Drei Brunnen“ erinnert bis heute an diese alte Tradition.
Als die Stilfserjochstraße alles veränderte
Der große Wendepunkt kam im 19. Jahrhundert mit dem Bau der Stilfserjochstraße. Die zwischen 1820 und 1825 errichtete Passstraße machte die abgelegene Bergregion erstmals für Reisende in größerem Umfang erreichbar. Plötzlich lag Trafoi nicht mehr am Ende eines Tales, sondern an einer der spektakulärsten Alpenstraßen Europas.
Mit der neuen Straße kamen Händler, Reisende, Bergsteiger und neugierige Sommergäste. Die gewaltige Bergwelt des Ortlergebiets wurde immer bekannter. Vor allem die mächtigen Gletscher rund um die Trafoier Eiswand beeindruckten die Besucher. Alte Ansichtskarten zeigen noch eine Eiswelt, die heute in dieser Form längst verschwunden ist.
Das Hotel Trafoi und die große Zeit des Fremdenverkehrs
Einen Höhepunkt erlebte Trafoi im Jahr 1896. Damals wurde das berühmte Hotel Trafoi eröffnet. Hinter dem Projekt stand Theodor Christomannos, einer der bedeutendsten Tourismuspioniere Tirols. Das Hotel war für seine Zeit außergewöhnlich modern und zog Gäste aus dem gesamten deutschsprachigen Raum an.
Wer damals in Trafoi ankam, wurde von einer Kulisse empfangen, die fast unwirklich erscheinen musste: das elegante Hotel, dahinter die gewaltigen Gletscher und die schroffen Gipfel des Ortlergebiets. Das Hotel wurde zum Symbol des aufblühenden Alpentourismus. Leider währte diese Blütezeit nicht lange. Während des Ersten Weltkriegs brannte das Haus im Jahr 1917 ab und wurde nicht mehr aufgebaut.

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Bergführer, Alpinisten und Skifahrer
Mit dem Aufstieg des Alpinismus entwickelte sich Trafoi zu einem wichtigen Ausgangspunkt für Touren im Ortlergebiet. Generationen von Bergführern begleiteten Gäste auf die umliegenden Gipfel. Später kam der Wintersport hinzu. Besonders stolz ist Trafoi darauf, dass hier die erste Skischule Südtirols eröffnet wurde und auch der erste Skilift des Landes entstand.
Bis heute gehört das kleine Skigebiet von Trafoi zur Ortler Skiarena. Im Sommer locken Wanderwege, Almen und die legendäre Stilfserjochstraße, die jedes Jahr Radfahrer und Motorradfahrer aus ganz Europa anzieht.
Trafoi heute
Trotz seiner bewegten Geschichte ist Trafoi ein ruhiger Ort geblieben. Gerade das macht seinen besonderen Reiz aus. Hier gibt es keine großen Hotelburgen und keine überfüllten Fußgängerzonen. Stattdessen prägen Natur, Berge und Geschichte das Bild.
Wer durch Trafoi spaziert, begegnet überall den Spuren vergangener Zeiten: den Erinnerungen an die Wallfahrer der Heiligen Drei Brunnen, den Pionieren der Stilfserjochstraße, den Gästen des Hotel Trafoi und den Bergsteigern, die von hier aus die Gipfel des Ortlergebiets eroberten.
Vielleicht ist genau das das Besondere an Trafoi: Es ist kein Ort, der laut auf sich aufmerksam macht. Aber wer sich Zeit nimmt, seine Geschichte kennenzulernen, entdeckt eines der spannendsten Kapitel der Südtiroler Tourismusgeschichte.





