Sterzing – klein, alt, lebendig
Sterzing (Vipiteno) ist so eine Stadt, die man oft „nur kurz“ besuchen will – und dann bleibt man doch länger. Vielleicht, weil hier alles auf engem Raum passiert: eine mittelalterliche Hauptstraße mit Erkern und Lauben, ein Stadtturm als Blickfang, dazu dieses Gefühl, am Tor zum Wipptal zu stehen – auf der alten Nord-Süd-Achse Richtung Brennerpass.
Das Herz der Stadt: Neustadt, Lauben, Erker
Beim Spaziergang durch die Neustadt merkst du schnell: Sterzing ist nicht „Museums-Kulisse“, sondern bewohnte Geschichte. Die Häuser stehen dicht, die Fassaden wirken wie übereinander gestapelte Jahrhunderte – mit diesen typischen Erkern, die fast ein bisschen neugierig in die Straße hinausschauen. Genau dieses Bild macht den Reiz aus: ein bisschen Handel, ein bisschen Alltag, und überall Details, die man erst beim zweiten Hinsehen entdeckt.
Der Blickmagnet: Zwölferturm
Mitten in der Stadt steht das Wahrzeichen, an dem kaum jemand vorbeigeht, ohne automatisch die Kamera zu heben: der Zwölferturm. Er ist 46 Meter hoch und wurde 1468–1472 errichtet – ursprünglich als Stadttor und Teil der Befestigung. Heute teilt er ganz nebenbei Stadtteile und Zeiten: hier „Alt“, dort „Neu“, und dazwischen dieser Turm, der seit Jahrhunderten einfach stehen bleibt.
Gleich in der Nähe liegt auch das Rathaus Sterzing – ein weiterer Hingucker für alle, die spätgotische Formen und markante Erker lieben.
Ein Haus, das viel gesehen hat: Stadt- und Multschermuseum im Deutschhaus Sterzing
Wenn du Sterzing nicht nur „anschauen“, sondern verstehen willst, ist das Deutschhaus ein richtig guter Ankerpunkt. Der Gebäudekomplex diente ab dem 13. Jahrhundert als Hospiz des Deutscher Orden – später wurde er von der Stadt übernommen und unter anderem als Spital genutzt. Heute sind hier das Stadtmuseum und das Multscher-Museum untergebracht.
Ein besonders berühmter Name taucht dabei immer wieder auf: Hans Multscher. Mit seiner Werkstatt entstand Mitte des 15. Jahrhunderts ein bedeutender Flügelaltar für die Pfarrkirche Unsere Liebe Frau im Moos – ein Stück Kunstgeschichte, das eng mit Sterzing verbunden ist.
Warum Sterzing so „rund“ wirkt
Sterzing war über Jahrhunderte ein Ort, an dem Durchreise, Handel und Begegnung ganz selbstverständlich waren – nicht zuletzt wegen der Nähe zum Brennerweg, der schon in der Römerzeit als wichtige Route über die Alpen ausgebaut und genutzt wurde.
Vielleicht wirkt die Stadt deshalb bis heute so:
offen, geschäftig, aber nie hektisch.
Und ja: Sterzing ist offiziell Mitglied bei I Borghi più belli d'Italia – also in einer Vereinigung, die besonders schöne italienische Ortskerne auszeichnet.
Mini-Idee für deinen Besuch
Wenn du nur eine Stunde Zeit hast:
- Durch die Neustadt bummeln, Erker zählen, unter den Lauben treiben lassen
- Am Zwölferturm kurz stehen bleiben (der Blick „ordnet“ sich dort wie von selbst)
- Ein Abstecher ins Deutschhaus / Stadt- und Multschermuseum, wenn du Lust auf Geschichte mit echten Objekten hast







