Schloss Vorst / Meran auf alten Ansichtskarten

Schloss Vorst bei Meran: eine alte Ansichtskarte zwischen Weinbergen, Mauern und Oswald von Wolkenstein
Man schaut zuerst auf Weinreben, auf ein Schloss, auf die Berge im Hintergrund – und plötzlich steht da dieser eine Satz: „Im Burgverliess lag Oswald v. Wolkenstein 1422 gefangen.“ Schon ist man nicht mehr nur bei einer Landschaft, sondern mitten in einer Geschichte.
Die Karte zeigt Schloss Vorst, auch Schloss Forst genannt, bei Algund nahe Meran. Es steht auf einem kleinen Felsenhügel am rechten Etschufer, umgeben von Reben, Obstwiesen und der Kulturlandschaft des Meraner Raumes. Erstmals schriftlich erwähnt wurde Schloss Vorst im Jahr 1302, seine Ursprünge reichen ins 13. Jahrhundert zurück. Die Herren von Vorst gehörten zu den Ministerialen in Tirol, später kam die Anlage an die Starkenberger und im 16. Jahrhundert an die Familie von Brandis. In dieser Zeit wurde das Schloss weiter ausgebaut; im 19. Jahrhundert erfolgte eine Erneuerung der Anlage.
Auf der alten Karte wirkt Schloss Vorst beinahe friedlich. Im Vordergrund liegen die Rebanlagen mit ihren einfachen Holzgerüsten, dahinter erhebt sich das helle Schlossgebäude, und über allem stehen die Berge. Hier sieht man nicht nur ein Bauwerk, sondern eine ganze Südtiroler Landschaft. Weinbau, Adelssitz, Bergwelt – alles ist in einem Bild vereint.
Besonders spannend ist natürlich der Hinweis auf Oswald von Wolkenstein. Er war Ritter, Diplomat, Sänger und Dichter – einer der schillerndsten Tiroler des Spätmittelalters. Um seine Person ranken sich zahlreiche Geschichten, und eine davon führt nach Schloss Vorst. Dort soll er, so die Überlieferung, im Mittelalter gefangen gehalten worden sein. Auch heutige Beschreibungen von Schloss Vorst greifen diese Geschichte auf und nennen sie als eine der Besonderheiten des Schlosses.
Ob man dabei jedes Detail als gesicherte Tatsache oder eher als überlieferte Erzählung betrachtet, ist fast zweitrangig. Denn für die Wirkung dieser Karte ist entscheidend: Der Verlag wollte nicht nur ein schönes Schloss zeigen. Er wollte eine Geschichte mitverkaufen. Wer diese Karte damals kaufte, bekam also ein Stück Meraner Landschaft – und gleichzeitig einen Hauch mittelalterliches Drama.
Architektonisch besitzt Schloss Vorst bis heute den Charakter eines alten Adelssitzes. Zwei Wohntürme mit Zinnen prägen den Bau, dazu kommen eine Kapelle und ein Wohntrakt, die den Innenhof umrahmen. Öffentlich zugänglich ist Schloss Vorst heute nicht; es befindet sich in Privatbesitz. Bekannt ist auch die Verbindung zur Familie Fuchs, die mit der nahegelegenen Brauerei Forst verbunden ist.
Gerade diese Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart macht Schloss Vorst interessant. Viele fahren heute an Forst vorbei und denken zuerst an die Brauerei, an den Verkehr Richtung Vinschgau oder an den Algunder Waalweg. Doch mitten in dieser vertrauten Umgebung steht ein Bau, der viel älter ist als all das moderne Treiben um ihn herum. Schloss Vorst erinnert daran, dass Geschichte oft nicht laut auftritt. Manchmal steht sie einfach am Wegesrand.

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