Nervenkitzel im Abenteuerpark Sterzing

Schloss Knillenberg auf alten Ansichtskarten

Schloss Knillenberg in Meran Obermais

Knillenberg in Obermais – ein Schloss, das nicht laut sein muss
Wer genauer hinschaut, entdeckt hier keinen großen Prunk, sondern gewachsene Geschichte, architektonischen Charme und die ruhige Würde eines alten Meraner Ansitzes.


Wer in Obermais unterwegs ist, läuft an manchen Orten leicht vorbei, ohne zu ahnen, was sich dahinter verbirgt. Schloss Knillenberg ist genau so ein Ort. Es drängt sich nicht auf, es spielt sich nicht groß in den Vordergrund – und gerade das macht seinen Reiz aus. Denn hinter der eher zurückhaltenden Erscheinung steckt ein Ansitz mit langer Geschichte, mit alten Besitzernamen, mit Umbauten über die Jahrhunderte und mit jener stillen Würde, die viele Meraner Schlösser bis heute auszeichnet.


Der Ursprung von Schloss Knillenberg reicht wohl weit zurück. Als ältester Teil der Anlage gilt ein mittelalterlicher Wohnturm, dessen Anfänge vermutlich schon im 12. Jahrhundert liegen. Damit gehört Knillenberg zu jenen Orten in Obermais, die nicht erst in späterer Zeit als repräsentative Wohnsitze entstanden, sondern ihre Wurzeln noch in einer deutlich älteren Zeit haben. Damals war Bauen noch eng mit Schutz, Überblick und Besitz verbunden. Was heute romantisch wirkt, war ursprünglich vor allem Ausdruck von Stellung und Sicherung.



Seinen heutigen Namen erhielt der Ansitz im frühen 16. Jahrhundert. 1513 kaufte Andreas Knilling den Besitz und benannte ihn in Knillenberg um. Damit beginnt jene Phase, in der das Schloss seinen Namen fest mit einer Familie verbindet – etwas, das man bei vielen historischen Ansitzen in Südtirol beobachten kann. Namen erzählen hier oft fast so viel wie Mauern: Sie verraten, wer sich durchsetzen konnte, wer Besitz erwarb und wer einem Ort seinen bleibenden Stempel aufdrückte.

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Meran Obermais - Schloss Knillenberg Innenhof...ca.1910

Im 17. Jahrhundert bekam Knillenberg dann entscheidend sein heutiges Gepräge. Unter Johann Flugi, dem Bischof von Chur, wurde die Anlage erweitert. Neben dem älteren Turm entstand ein Renaissancebau mit Ecktürmen. Genau diese Mischung macht den Ort architektonisch spannend: Man spürt an solchen Schlössern oft, dass sie nicht in einem Zug entstanden sind, sondern Stück für Stück gewachsen sind. Mittelalter und Renaissance stehen hier nicht nebeneinander wie im Lehrbuch, sondern verbinden sich ganz selbstverständlich zu einem Ganzen.


Gerade darin liegt für mich überhaupt ein großer Teil der Faszination. Schloss Knillenberg ist kein Schloss, das mit Größe oder Prunk beeindrucken will. Es lebt eher von seiner gewachsenen Form, von Winkeln, Übergängen und diesem Gefühl, dass hier viele Zeiten übereinanderliegen. Wer alte Aufnahmen des Innenhofs sieht, versteht sofort, warum solche Ansitze so eine Wirkung entfalten: Da ist nicht nur Architektur, da ist Atmosphäre. Arkaden, Mauern, Durchgänge, ein Hof, der mehr andeutet als preisgibt – das ist nicht laut, aber unglaublich erzählerisch.


Auch die späteren Jahrhunderte haben am Schloss ihre Spuren hinterlassen. Im 19. Jahrhundert wurde die Anlage im Inneren neu ausgestattet, und schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts taucht Knillenberg sogar im Zusammenhang mit einem Hotel- beziehungsweise Gastbetrieb auf. Das ist ein schöner Hinweis darauf, wie sich solche Gebäude im Laufe der Zeit immer wieder verändert haben. Ein Schloss war eben nicht einfach nur ein starres Denkmal. Es konnte Familiensitz sein, Rückzugsort, gesellschaftlicher Treffpunkt oder eben zeitweise auch Teil des aufblühenden Tourismus im Meraner Raum.


Das passt überhaupt sehr gut nach Obermais. Dieser Stadtteil von Meran ist bis heute geprägt von Villen, Ansitzen und Schlössern, die vom Selbstverständnis vergangener Jahrhunderte erzählen. Knillenberg gehört dabei zu jenen Häusern, die man vielleicht nicht als erstes nennt – gerade deshalb lohnt sich der zweite Blick. Denn oft sind es nicht die lautesten und bekanntesten Orte, die am längsten im Kopf bleiben, sondern die stilleren.


Heute ist Schloss Knillenberg privat genutzt und kein klassisches Ausflugsziel mit großem Besuchsbetrieb. Das mag für manche schade sein, hat aber auch etwas Besonderes: Das Schloss ist kein museal glatter Ort, sondern ein Stück gewachsene Geschichte, das bis heute weiterlebt. Vielleicht liegt genau darin sein Charme. Man steht davor, schaut hinauf zu den Mauern und Fenstern und ahnt, dass sich hinter ihnen weit mehr verbirgt, als die Fassade auf den ersten Blick verrät.



Schloss Knillenberg ist für mich deshalb eines jener Meraner Schlösser, die man nicht wegen eines großen Spektakels in Erinnerung behält, sondern wegen ihrer Haltung. Es ist still, geschichtsträchtig und ein wenig verschlossen. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum es so spannend bleibt.

Meran Obermais - Schloss Knillenberg Schlosshof ca.1910