Die Meraner Laubengasse auf alten Ansichtskarten
Die Meraner Lauben – das alte Herz der Stadt
Wer durch Meran spaziert, landet früher oder später in den Lauben. Hier zeigt sich die Stadt nicht nur von ihrer schönen, sondern auch von ihrer alten, gewachsenen Seite.
Die Meraner Lauben gehören zu den ältesten und wichtigsten Teilen der Altstadt. Ihr Ursprung reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Damals ließ Meinhard II., Graf von Tirol, die Laubengasse als Handelsstraße zwischen Pfarrplatz und Kornplatz anlegen. Meran war zu dieser Zeit nicht einfach irgendein Ort im Burggrafenamt, sondern ein politisch und wirtschaftlich bedeutender Mittelpunkt Tirols.
Schon damals wurde hier gehandelt, gearbeitet, verhandelt und sicher auch ordentlich geratscht. Unter den Bögen fanden Kaufleute und Kunden Schutz vor Sonne, Regen und Schnee. Genau das macht die Lauben bis heute so besonders: Sie waren nie nur eine schöne Gasse, sondern immer auch ein praktischer, lebendiger Ort.
Spannend ist die alte Unterscheidung in Berglauben und Wasserlauben. Die eine Seite liegt bergwärts Richtung Küchelberg, die andere
flusswärts Richtung Passer. Es wurde sogar noch zwischen den oberen und unteren Berg- bzw. Wasserlauben unterschieden.
Wer heute durch die Gasse geht, achtet vielleicht zuerst auf die Schaufenster. Doch eigentlich lohnt sich der Blick nach oben oder nach hinten. Die Erker, alte Fensterläden, Torbögen, Stuck, Fresken, Fassaden und Hinterhöfe aus verschiedenen Zeiten erzählen davon, wie viele Jahrhunderte hier übereinanderliegen.
Rund 400 Meter ziehen sich die Lauben durch die Meraner Altstadt. Früher waren sie sogar noch zusammenhängender als heute. Erst durch spätere Eingriffe, vor allem im Bereich Sparkassenstraße und Galileistraße, wurde die historische Linie unterbrochen. Auf alten Ansichtskarten erkennt man noch sehr schön, wie eng, geschäftig und zugleich fast gemütlich diese Gasse wirkte.
Besonders reizvoll ist, dass die Lauben nicht nur an der Oberfläche Geschichte zeigen. Unter vielen Häusern liegen alte Keller, ehemalige Lagerräume und bauliche Spuren, die von Handel, Wein, Vorräten und dem Alltag früherer Jahrhunderte erzählen. Man könnte sagen: Die Meraner Lauben haben nicht nur schöne Fassaden, sondern auch ein erstaunlich tiefes Gedächtnis.
Heute sind die Lauben eine beliebte Einkaufsstraße mit Geschäften, Cafés und Restaurants. Doch wer nur bummelt, verpasst die Hälfte. Denn zwischen modernen Auslagen und alten Mauern steckt noch immer das alte Meran: die Handelsstadt, die mittelalterliche Stadt, die Stadt der Wege, Waren und Begegnungen.
Gerade auf alten Ansichtskarten wird dieser besondere Charakter sichtbar. Die Lauben wirken dort nicht wie eine Kulisse, sondern wie ein Stück Alltag: Menschen unter den Bögen, geöffnete Fensterläden, Fahrräder, Schilder, kleine Läden und schmale Durchblicke. Es ist ein Meran, das sich verändert hat – und doch sofort wiedererkennbar geblieben ist.
Vielleicht ist genau das der Zauber der Meraner Lauben: Sie sind bis heute lebendig. Nicht eingefroren, nicht museal, sondern mitten im Stadtleben. Wer hier entlanggeht, geht nicht nur einkaufen. Er geht durch mehr als 700 Jahre Meraner Geschichte.








