Feinschmeckertour in Bozen...

Guntschnapromenade in Bozen:

Auf den Spuren der historischen Heinrichspromenade

Gries bei Bozen Heinrichspromenade

Es gibt Spazierwege, die sind praktisch. Und es gibt Spazierwege, die erzählen Geschichten. Die Guntschnapromenade in Bozen gehört eindeutig zur zweiten Sorte: Ein elegant angelegter Weg in Serpentinen oberhalb von Gries – mit Panoramablicken, mediterraner Bepflanzung und einer Vergangenheit, die direkt in die Zeit der großen Kurorte führt.

Während sie heute fast überall nur Guntschnapromenade genannt wird, trug sie ursprünglich einen klangvollen Namen: Erzherzog-Heinrich-Promenade.


Das Wichtigste auf einen Blick

  • Länge: ca. 3 km (Promenade/Abschnitt in Richtung Reichrieglerhof).
  • Höhenmeter: je nach Variante ca. 200–250 m.
  • Gehzeit: gemütlich (mit Pausen) oft 2–2,5 Stunden.
  • Startpunkt: Bereich Alte Grieser Pfarrkirche / Gries.
  • Charakter: leichter, aussichtsreicher Spazierweg mit vielen Bänken und „Pause-Plätzen“.


1) Warum Gries überhaupt eine Promenade brauchte

Heute ist Gries ein lebendiger Stadtteil von Bozen. Im 19. Jahrhundert jedoch war Gries ein renommierter Kurort, der in den Wintermonaten Aristokratie und wohlhabendes Bürgertum anzog – ähnlich wie Meran. Hotels, Cafés und „Flanierkultur“ gehörten zum Lebensgefühl.

Und genau dafür brauchte man: eine Promenade. Einen Weg, der nicht nur von A nach B führt, sondern der zum Spazieren, Schauen und Gesehenwerden gemacht ist.

2) Entstehung: Von der Heinrichspromenade zur Guntschnapromenade

Die Idee (1889) – ein Kurkomitee wird gegründet

Laut einer Bozner Broschüre zur Promenade wurde 1889 unter dem damaligen Grieser Bürgermeister Lintner ein Komitee ins Leben gerufen, das den Bau einer Promenade am Guntschnahang vorantreiben sollte. Als treibende Kraft wird in historischen Übersichten der Bürgermeister Franz Lintner-Unterrautner genannt.

Planung & Baubeginn

Das Projekt erstellte Ingenieur Gustav Weyersberg; der erste Spatenstich erfolgte am 7. Oktober 1891 unter Bauleitung von Architekt Irschara.

Einweihung 1892. Ende Oktober 1892 wurde der erste Abschnitt (bis zum damaligen Hotel Germania) feierlich eröffnet – inklusive Enthüllung einer Büste von Erzherzog Heinrich, die später in der faschistischen Zeit verschwand.

Zweiter Abschnitt ab 1899

Schon wenige Jahre später, ab 1899, wurde weitergebaut: Richtung Aussichtspunkt beim Reichrieglerhof. Auch dieser Abschnitt wurde großteils durch private Sponsoren ermöglicht.

3) Wer war Erzherzog Heinrich – und warum trägt der Weg seinen Namen?

Erzherzog Heinrich von Habsburg (1828–1891) lebte damals in Bozen, war ein leidenschaftlicher Pflanzen- und Botanikfreund und unterstützte das Projekt finanziell maßgeblich. Tragisch: Er starb wenige Monate vor der Einweihung 1892.

Dass ausgerechnet eine Promenade nach ihm benannt wurde, passt: Sie ist gewissermaßen ein begehbares „Botanik-Schaufenster“ am Sonnenhang.

4) Mediterran in Bozen? Das Geheimnis des Mikroklimas

Ein Grund, warum die Guntschnapromenade so besonders wirkt, liegt nicht nur im Design, sondern in der Lage: Der Hang gilt als submediterrane Mikroklimainsel. Faktoren wie viel Sonne selbst im Winter, Schutz vor kalten Winden, geringe Luftfeuchtigkeit und die wärmespeichernde Felslandschaft (Porphyr) sorgen für milde Bedingungen.

Das Ergebnis spürt man beim Gehen – und sieht es an der Bepflanzung: Palmen, Magnolien, Agaven & Co. sind hier keine Deko, sondern „echte Bewohner“.

5) Botanische Highlights: Ein Spaziergang wie durch einen Freiluftgarten

Die städtische Broschüre betont, dass entlang der Promenade schon früh eine große Vielfalt an mediterranen Pflanzen gesetzt wurde – gepflegt durch die Stadtgärtnerei, historisch verbunden mit Stadtgärtner Wenzel Vikary.

Typisch (je nach Abschnitt) sind u. a.:

  • Palmenarten (z. B. Hanfpalmen),
  • Agaven und Palmlilien,
  • mediterrane Gehölze wie Ölbaum-Verwandte,
  • exotische Zierpflanzen, die man sonst eher am Gardasee erwartet.

Extra-Idee für den Besuch: Nehmt euch vor, auf jeder zweiten Bank kurz stehenzubleiben und bewusst 3 Dinge zu entdecken: eine Pflanze, einen Ausblick, ein Detail am Weg (Geländer, Steinmauer, Serpentine). Die Promenade belohnt Langsamkeit.

6) Kleine Sehenswürdigkeiten am Weg: Wandelhalle & Tropfsteinsäule

Gleich am Beginn steht die Wandelhalle – ein markantes Bauwerk mit Säulen und Terrasse; sie steht seit 1989 unter Denkmalschutz
Und eher ungewöhnlich: Eine
Tropfsteinsäule markiert den Start. Sie wurde noch in österreichisch-ungarischer Zeit aus der Adelsberger Grotte nach Gries gebracht.

Das sind genau die Details, die den Spaziergang „erzählen“ lassen – selbst wenn man nur 30 Minuten Zeit hat.

7) Die Guntschnabahn: Als Bozen seine Hänge per Standseilbahn erschloss

Zur touristischen Erschließung der Bozner Hänge gehörte auch die Guntschnabahn, eine Standseilbahn, die 1912–1966 Gries mit dem Bereich beim Reichrieglerhof verband. 
Auf der Promenade überquert man im oberen Abschnitt sogar eine Brücke über die frühere Trasse.

8) Namenswechsel: Warum heute fast jeder „Guntschna“ sagt

Die Bezeichnung Guntschnapromenade war im Alltag ohnehin geläufig – offiziell wurde die Promenade laut historischen Angaben 1921 umbenannt. 
In der faschistischen Zeit und nach der (erzwungenen) Eingemeindung von Gries nach Bozen Ende
1925 veränderten sich Stadtbild und Erinnerungskultur stark – die Promenade blieb, der aristokratische Glanz verblasste.

9) Tour-Ideen: So erlebt man die Promenade am schönsten

Variante A: Klassiker – rauf, Panorama, wieder runter

Einfach der Promenade folgen, unterwegs Pausen einplanen, am oberen Bereich umdrehen. Ideal für „Nachmittags-Luft holen“.

Variante B: Rundweg mit Wasserfall-Feeling

Eine offizielle Wegbeschreibung schlägt eine Runde vor: oben bei der Jenesiener Straße den höchsten Punkt erreichen und über die Fagenbachpromenade (mit Wasserfall) Richtung Talfergrün und zurück in die Stadt.

Variante C: Foto-Spaziergang (goldene Stunde)

  • Morgens: klarere Sicht, ruhiger.
  • Später Nachmittag: wärmeres Licht über dem Bozner Becken, besonders stimmungsvoll auf den Aussichtsbänken. (Das ist kein „Fakt“, sondern ein erprobter Foto-Tipp.)

Schlussgedanke

Die Guntschnapromenade ist Bozen in konzentrierter Form: Geschichte, Kurort-Flair, erstaunliche Pflanzenwelt und Ausblicke, die man in dieser Nähe zur Stadt kaum erwartet. Wer einmal bewusst auf die Details achtet – Wandelhalle, Serpentinen, Mikroklima, alte Hotelspuren – versteht schnell, warum dieser Weg seit über 130 Jahren Menschen anzieht.


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