Die Burg Freudenstein  auf historischen Ansichtskarten

🏰 Burg Freudenstein in Eppan: Ein Schloss, zwei Burgen und eine überraschende Verbindung nach Japan.


Was hat eine mittelalterliche Burg in Südtirol mit Japan zu tun? Mehr, als man zunächst vermuten würde. Aber beginnen wir von vorne.


Oberhalb von St. Michael in Eppan liegt Burg Freudenstein, die heute meist Schloss Freudenstein genannt wird. Ihre Geschichte reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Eigentlich müsste man sogar von zwei Burgen sprechen, denn ursprünglich bestand die Anlage aus zwei befestigten Wohntürmen mit dazugehörigen Wohngebäuden.


Nach der Überlieferung waren der Adelige Eisenbrand von Pasquay und die Familie Fuchs von Fuchsberg an den Anfängen beteiligt. Später gelangte die gesamte Anlage in die Hände von Ulrich Fuchs von Fuchsberg, der sie weiter ausbauen und mit einer Ringmauer umgeben ließ.


Interessant ist, dass Freudenstein offenbar eine Besonderheit unter den Südtiroler Burgen darstellte.

Sie galt als Allod, also als freies Eigentum. Während viele Burgen als Lehen einem Fürsten oder Bischof unterstanden und nicht ohne Zustimmung des Lehensherrn vererbt werden konnten, war dies bei Freudenstein nicht der Fall. Das könnte auch ein Grund dafür sein, weshalb wir über die früheste Geschichte vergleichsweise wenig wissen. In einer Urkunde taucht die Burg jedenfalls erstmals im Jahr 1379 auf.

Über Jahrhunderte bestimmten die Fuchs von Fuchsberg die Geschicke von Freudenstein. Besonders Ritter Jakob Fuchs ließ die mittelalterliche Anlage im 16. Jahrhundert großzügig umgestalten.

So entstand nach und nach aus den beiden Burgen ein stattlicher Adelssitz. Noch heute prägen zwei mächtige Türme, Wohntrakte, ein Innenhof mit Loggia und die Zinnenmauern das Erscheinungsbild.


Besondere Aufmerksamkeit verdient die Jahreszahl 1519.


Sie steht über dem Eingang und erinnert an eine wichtige Bauphase. Im selben Jahr entstand die dem heiligen Andreas geweihte Schlosskapelle, die allerdings erst 1532 geweiht wurde.

Im Inneren von Freudenstein haben sich einige bemerkenswerte Kunstschätze erhalten. Dazu gehören spätgotische Schnitzereien, alte Wandmalereien, kunstvolle Holzvertäfelungen und sogar Inschriften, die einst mit Rötel und Kohle an die Wände des Großen Saals geschrieben wurden.

Gerade solche Dinge sind besonders spannend. Denn hinter den großen Namen und Jahreszahlen stehen schließlich Menschen, die hier gelebt, gearbeitet und ihre Spuren hinterlassen haben.


Und nun zu Japan. 🇯🇵


Ende des 19. Jahrhunderts gelangte Freudenstein in den Besitz von Heinrich Freiherr von Siebold (1852–1908). Er war Diplomat, Japanforscher und leidenschaftlicher Sammler.

Dieser hatte viele Jahre in Ostasien verbracht, an der österreichisch-ungarischen Vertretung in Tokio gearbeitet und sich intensiv mit japanischer Kultur und Archäologie beschäftigt. Seine umfangreichen Sammlungen fanden später Eingang in bedeutende europäische Museen.

Ausgerechnet dieser weit gereiste Mann verbrachte seine letzten Lebensjahre auf Schloss Freudenstein. Unter seiner Leitung wurde die Schlossanlage umfassend renoviert und neu eingerichtet.


Heinrich von Siebold starb am 11. August 1908 auf Schloss Freudenstein.



Eine Geschichte, die man hinter den alten Mauern kaum vermuten würde.

Übrigens wechselte Freudenstein im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer. Dazu gehörte auch die Familie Lodron, weshalb das Schloss im Italienischen ebenfalls als „Castel Lodrone” bekannt ist.

Heute wird die historische Anlage als Schlosshotel und Veranstaltungsort genutzt. Auch eine Golfanlage gehört dazu. Seit 1951 steht Freudenstein unter Denkmalschutz.

Besonders faszinierend an dieser Burg finde ich ihre ungewöhnliche Geschichte. Aus zwei mittelalterlichen Wohntürmen entstand ein repräsentatives Schloss, in dem sich über Jahrhunderte hinweg adelige Familien und ihre unterschiedlichen Lebensgeschichten begegneten – und schließlich sogar ein Stück japanischer Kulturgeschichte.



🏰 Zugang und Besichtigung von Schloss Freudenstein


Schloss Freudenstein befindet sich in Privatbesitz und ist nicht öffentlich zugänglich. Die historische Anlage wird heute als exklusives Schlosshotel, als Hochzeits- und Veranstaltungsort sowie als Golfakademie genutzt.

Der Zugang ist grundsätzlich Hotelgästen, Teilnehmern der Golf-Akademie und Besuchern gebuchter Veranstaltungen vorbehalten. Eine Besichtigung der historischen Innenräume oder des Schlossgeländes ist nicht möglich.

Ein gastronomisches Angebot kann zeitweise zugänglich sein. Aktuelle Informationen und Reservierungsmöglichkeiten finden Sie auf der
offiziellen Website von Schloss Freudenstein.

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