Feinschmeckertour in Bozen...

Die Virglbahn: Bozens vergessene Bergbahn

Die Virglbahn in Bozen: Als die Stadt eine „Bergbahn“

 mitten im Zentrum hatte...

Man steht in Bozen, schaut Richtung Virgl – und ahnt nicht, dass hier einmal eine der spektakulärsten Stadtkulissen Südtirols in Bewegung war: Eine Standseilbahn, die in wenigen Minuten vom Talboden hinauf zur Virglwarte kletterte. Kein alpiner Pass, kein abgelegener Berg – sondern Bozen selbst, mit einer Bahn, die Freizeit, Technik und Zeitgeist auf engstem Raum verband.

Ein Ausflugsziel mit Panorama – und eine Bahn als Statement

Der Virgl war schon um 1900 ein beliebter Aussichtspunkt: nah am Zentrum, aber mit weitem Blick über Eisack- und Etschtal. Um dieses Naherholungsziel noch attraktiver zu machen, wurde die Virglbahn geplant – als direkte Verbindung zur Virglwarte (Restaurant/Hotel am Virgl).

Am 20. November 1907 wurde sie eröffnet. Bozen war damit um eine Attraktion reicher, die hervorragend zur damaligen „Belle-Époque“-Lust am Ausflügen, Flanieren und Staunen passte.

Klein in der Länge, groß im Eindruck

Die Virglbahn war technisch alles andere als „klein“:

  • 342 Meter Strecke
  • 196 Meter Höhenunterschied
  • bis zu 70 % Steigung

Gerade diese extreme Steillage machte die Trasse so auffällig – inklusive der markanten Viaduktbögen an der steilen Berglehne, die bis heute das Stadtbild prägen.

Wer dahinterstand: Ingenieurskunst aus Bozen und Zürich

Geplant wurde die Standseilbahn von Emil Strub (Zürich) und dem Bozner Ingenieur Erwin Schwarz. Ausgeführt wurde der Bau u. a. von Guschelbauer & Marek sowie den Rollschen Eisenwerken Bern – ein Hinweis darauf, welchen Stellenwert man dem Projekt gab.

Das abrupte Ende im Krieg

Die Idylle hielt nicht ewig: 1943 endete der Betrieb. Der Grund lag in den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg – die Nähe zur Brennerbahn und zum Bahnhof Bozen machte die Anlagen verwundbar. Der untere Teil wurde schwer beschädigt, die Bahn danach nicht mehr wieder in Betrieb genommen.

Nachfolgerin in der Luft: Die Virgl-Seilbahn (1957–1976)

Bozens Virgl blieb trotzdem ein Thema: In der Nachkriegszeit entstand als Nachfolgerin eine Seilbahn, die den Virgl zwischen 1957 und 1976 erschloss. Doch auch sie verschwand wieder aus dem Alltag der Stadt.

Was heute geblieben ist: ein Unikat unter Denkmalschutz

Das eigentlich Faszinierende: Teile der historischen Trasse sind noch vorhanden – vor allem die steinernen Abschnitte und die charakteristischen Viaduktbögen. Seit 2021 steht die erhaltene Trasse unter Denkmalschutz. In der Begründung heißt es sinngemäß: ein außergewöhnliches Beispiel historischer Bautechnik, im Originalzustand erhalten – ein Stück Mobilitätsgeschichte, das man sprichwörtlich „am Hang“ ablesen kann.