„Batzenhäusle - das rundeste Haus Bozens – und das

mit den eckigsten Geschichten.“



Das Batzenhäusl: Ein Haus, das Bozen in sich trägt

Es gibt Orte, da geht man hinein – und geht wieder raus. Und es gibt Orte, die bleiben: weil sie nicht nur Räume haben, sondern Schichten. Das Batzenhäusl in Bozen ist so ein Ort. Hier liegen Jahrhunderte übereinander wie Seiten in einem alten Buch: Ordensschänke, Künstlerstube, Zeitenwende, Neustart – und dazwischen immer wieder das, was ein gutes Wirtshaus ausmacht: Menschen, Stimmen, ein Glas auf dem Tisch.

Heute steht das Batzenhäusl in der Andreas-Hofer-Straße 30 – und seit dem 14. Juli 1953 unter Denkmalschutz. Wer davorsteht, merkt sofort: Das ist kein Haus, das sich wegduckt. Vier Geschosse, eine konvex geschwungene Fassade, ein polygonaler Erker auf verzierten Konsolen, dazu das Rundbogentor – und ganz oben wartet sogar eine neugotische Gaststube. Ein Gebäude mit Haltung. Und mit einem Blick, der sagt: „Ich habe hier schon einiges gesehen.“


Vom Ordensschenkhaus zur Bozner Legende

Jahrhundertelang war das Batzenhäusl eng mit dem Deutschen Orden verbunden. Es diente als Schänke der nahegelegenen Kommende, die bereits 1404 in den Ansitz Weggenstein-Deutschhaus verlegt worden war. In diesen frühen Jahren ging es um das Grundprinzip jeder guten Stube: zusammenkommen, austauschen, durchatmen – und sich etwas einschenken lassen, das den Abend wärmer macht.

Und sogar der Name passt ins Bild. „Batzen“ – eine alte Münzbezeichnung. Weil hier „stets Wein verkauft“ wurde, klingt das fast wie ein kleiner Wink aus der Vergangenheit: In diesem Haus wurde früh bezahlt und verhandelt, aber vor allem gefeiert. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie eine Hand den Batzen auf den Tisch legt – und kurz darauf ein Krug landet.


Die goldenen Jahre: Als Kunst an den Wänden hing

Um 1900 kippt die Geschichte in eine neue Richtung: Das Batzenhäusl wird zum Dichter- und Künstlerlokal, bekannt weit über Bozen hinaus. Es taucht auf Gemälden und auf Ansichtskarten auf – nicht als Kulisse, sondern als Magnet. Als ein Ort, an dem nicht nur getrunken, sondern auch gedacht, gestritten, gelacht und skizziert wurde.

Die Hochblüte erlebt das Haus im Umfeld des Malers Franz Defregger. Doch entscheidend ist nicht nur der große Name – es ist das Zusammenspiel aus Atmosphäre, Wirt und Publikum. Unter dem tüchtigen Wirt Engelbert Trebo wächst die künstlerische „Ausstattung“ bis 1914 auf über 200 Gemälde, Zeichnungen und einzelne Skulpturen an. Ein Wirtshaus wird damit – fast beiläufig – zur lebendigen Galerie. Nicht geschniegelt, nicht geschniegelt sein wollend. Sondern voller Spuren: Kunst als Dank, als Freundschaft, als Erinnerung an lange Abende.

Was davon blieb? Der Restbestand dieser Batzenhäusl-Sammlung befindet sich heute auf Schloss Prösels in Völs am Schlern – ein perfekter Brückenschlag für alle, die Bozens Wirtshausgeschichte nicht nur lesen, sondern nachgehen möchten.


Cà de Bezzi: Name, Wandel, Neuanfang

Dann kommt der Einschnitt: Nach dem Ersten Weltkrieg wird Bozen italienisch – und das Batzenhäusl trägt fortan auch den Namen Cà de Bezzi. Mit dem Wandel verändern sich Gäste, Sprache, Stimmung. Der Rückgang deutscher Besucher führt schließlich dazu, dass das Lokal am 1. März 1928 – im 20. Jahrhundert erstmals – schließen muss.

Gerade diese Episode macht die Geschichte so echt: Das Batzenhäusl ist nicht nur romantische Nostalgie. Es ist ein Ort, der die großen Bewegungen seiner Zeit mitgetragen hat – und dabei nicht aufgehört hat, „Bozen“ zu sein.


Heute: Wirtshausbrauerei mit Denkmal-Charme

Heute lebt das Batzenhäusl als Wirtshausbrauerei weiter – als moderne Form eines uralten Prinzips: Gastlichkeit mit Handschrift. In offiziellen Beschreibungen ist sogar von „über 600 Jahre Tradition“ die Rede – vom Buschenschank über die Künstlerkneipe bis zur Stube, in der man wieder anstößt, als wäre das das Natürlichste der Welt.

Und vielleicht ist genau das das Geheimnis dieses Hauses: Es hat sich verändert – aber nie aufgehört, ein Ort zu sein, an dem man nicht nur konsumiert, sondern ankommt.