Hafling auf alten Ansichtskarten...

Hafling – das Bergdorf über Meran, das Geschichte geschrieben hat
Manchmal sind es nicht die großen Städte, die eine Region prägen – sondern ein kleines Dorf am richtigen Ort. Hafling (Avelengo) sitzt wie eine sonnige Loge auf dem Tschögglberg oberhalb von Meran: Wiesen, Lärchen, Almen – und ein Blick ins Etschtal, bei dem man automatisch langsamer atmet.
Und doch ist Hafling alles andere als „nur idyllisch“. Wer genauer hinschaut, entdeckt hier eine erstaunliche Mischung aus Mittelalter, Pferdegeschichte und Technik-Pioniergeist – und eine Entwicklung, die zeigt, wie ein abgelegenes Bergdorf Schritt für Schritt in die Moderne fand.
Kurz & knackig: Hafling in Zahlen und Fakten
- Lage: Hochplateau am Tschögglberg über dem Meraner Talkessel
- Höhe: Ortszentrum um 1.290–1.300 m
- Ortsteile/Fraktionen: Hafling Dorf, Oberdorf, St. Kathrein, Falzeben
- Falzeben: ca. 1.600 m – einer der wichtigsten Startpunkte Richtung Meran 2000
- Einwohner: grob um 800 (je nach Quelle/Stand)
Mittelalter zum Anfassen: Zwei Kirchen, zwei Blickachsen
Hafling erzählt seine Geschichte nicht in Museen – sondern auf Hügeln.
Die Pfarrkirche St. Johannes steht im Dorfzentrum und ist bis heute ein Fixpunkt des Ortes. Parallel dazu wacht – weithin sichtbar – St. Kathrein in der Scharte, eine Kirche aus dem 13. Jahrhundert, berühmt für ihre exponierte Lage und den Panoramablick über das Burggrafenamt.
Wenn du nur einen Fotostopp machen willst: St. Kathrein ist genau dieser Postkartenmoment, der in echt noch besser wirkt.
Der Name, der um die Welt ging: Hafling und die Haflinger
Kaum ein Dorfname aus Südtirol ist international so bekannt wie dieser – wegen der Haflinger-Pferde. Die Rasse wird zwar historisch am ganzen Tschögglberg verortet, doch der Name stammt vom Dorf Hafling.
Als „Startpunkt“ der modernen Zucht gilt häufig das Jahr 1874 mit der Geburt des Hengstes „249 Folie“ (in Schluderns). Von dort aus lässt sich die Zuchtlinie vieler Haflinger zurückverfolgen. Das Spannende daran: Hafling ist nicht einfach „Pferde-Ort“, sondern steht für eine Kultur, in der robuste Gebirgstiere über Jahrhunderte zum Alltag gehörten – Arbeit, Wege, Landwirtschaft, Überleben im Hang.
Der große Sprung nach vorn: 1923 und die Seilbahn in die Zukunft
Bis ins 20. Jahrhundert war Hafling mühsam erreichbar – und dann kam ein Ereignis, das alles beschleunigte: 1923 ging die Seilbahn Meran/Obermais – Hafling/St. Kathrein in Betrieb.
Diese Bahn war nicht nur praktisch, sondern technisch bemerkenswert: Der Ingenieur Luis Zuegg prägte mit seinem System den Seilbahnbau weit über Südtirol hinaus (das „Bleichert-Zuegg“-System wurde international bekannt). Und sie war ein echter Lebensader-Moment: Die Seilbahn verband Einheimische und Gäste jahrzehntelang mit dem Tal – bis zur Schließung 1984. Meine Idee fürs Kopfkino: Stell dir vor, wie es damals gewesen sein muss, wenn „oben“ plötzlich nicht mehr weit weg war. Wenn aus einem Ganztagsmarsch eine planbare Fahrt wurde. Genau so beginnen Tourismusgeschichten – nicht mit Hochglanzprospekten, sondern mit Infrastruktur.
Die Straße kommt – und Hafling wird (noch) näher
Der nächste Modernisierungsschub kam später: Zu Jahresbeginn 1972 war es laut Chronik/Material zur Gemeinde soweit, dass das Projekt für die Straße konkret wurde; im August 1972 begannen die Arbeiten am Bau der Zufahrtsstraße Meran–Hafling.
Und erst in den frühen 1980ern war die Straßenverbindung so weit, dass das Hochplateau dauerhaft und bequem erreichbar wurde – ein Schritt, der gleichzeitig erklärt, warum die alte Seilbahn später an Bedeutung verlor.
Meran 2000: Vom Bergdorf zum Hausberg-Erlebnis
Mit besserer Erreichbarkeit kam auch die nächste Entwicklung: Meran 2000 – das Ski- und Wandergebiet, das heute für viele „der Hausberg“ von Meran ist. Die Geschichte-Seite von Meran 2000 nennt als Eckpunkte u. a. 1923 (Seilbahn Obermais–St. Kathrein) und 1965 (erster Sessellift ab Falzeben ins Gebiet, weitere Anlagen folgen).
Das passt zu Hafling: Aus dem einst isolierten Bergdorf wurde ein Ort, der heute wie selbstverständlich für Ausflüge, Wanderungen, Wintertage und Panorama steht.
Hafling heute: Vier Fraktionen – viele Einstiege
Hafling besteht aus mehreren Ortsteilen, die jeweils ihren eigenen Charakter haben:
- Hafling Dorf – der klassische Ortskern auf dem Plateau
- St. Kathrein – Aussicht, Kirche, „Postkartenlage“
- Oberdorf – Streusiedlung zwischen Dorf und Falzeben
- Falzeben – auf ca. 1.600 m, ein wichtiger Startpunkt Richtung Meran 2000
3 Ideen, wie du Hafling neu erlebst (ohne viel Aufwand)
- „Postkarten-Minute“ bei St. Kathrein
Ein kurzer Stopp, große Wirkung: Licht + Talblick + Kirche = Sofort-Südtirol-Gefühl. - Kurze Genussrunde ab Falzeben
Von Falzeben führen einfache Wege zu Hütten wie der Zuegghütte und weiter – ideal, wenn’s entspannt sein soll. - Mini-Zeitreise: „1923 denken“
Nimm dir beim Blick ins Tal eine Minute und stell dir vor: Wie hätte sich dein Alltag verändert, wenn die Verbindung nach Meran plötzlich schnell und regelmäßig gewesen wäre? (Das ist mein Lieblings-Trick, um Orte „tiefer“ zu erleben.)
Elf Minuten in eine neue Zeit...
Als 1923 die Seilbahn von Meran/Obermais hinauf nach St. Kathrein bei Hafling startete, war das nicht nur bequem – das war Zukunft zum Einsteigen.
Elf Minuten in eine neue Zeit
Heute fährt man schnell überallhin. Aber stell dir Meran und Hafling vor gut hundert Jahren vor: unten die mondäne Kurstadt, oben ein Bergdorf – getrennt durch Höhenmeter, steile Wege und eine Reise, die für viele schlicht „zu weit“ war.
Dann kam 1923 diese Idee, die wie ein Blitz einschlug: Eine Seilbahn von Meran/Obermais hinauf nach St. Kathrein bei Hafling. Die erste offizielle Fahrt fand am 30. Oktober 1923 statt – und plötzlich war das Hochplateau nicht mehr „weit weg“, sondern in greifbarer Nähe.
Warum diese Bahn mehr war als nur ein Transportmittel
Es war nicht einfach ein neues Verkehrsmittel. Es war ein Richtungswechsel:
- Für Gäste im Tal wurde das Plateau erreichbar – ohne Tagesmarsch.
- Für Einheimische änderte sich der Alltag: Besorgungen, Termine, Wege – alles wurde planbarer.
- Und für die Region begann eine Entwicklung, die später im großen Wintersport- und Ausflugsgebiet rund um Meran 2000 sichtbar wurde.
Kurz: Diese Bahn hat nicht nur Menschen transportiert – sie hat Möglichkeiten transportiert.
Technik, die damals wie Science-Fiction wirkte
Hinter der Bahn stand Ingenieur Luis Zuegg – ein Name, der im Seilbahnbau bis heute nachhallt. Entscheidend war eine Idee, die simpel klingt, aber enorme Wirkung hatte: Seile straffer führen, damit größere Spannweiten möglich werden und weniger Stützen nötig sind. Das machte die Anlage schneller, wirtschaftlicher – und zum Vorbild für viele Bahnen, die danach kamen.
Und dann die Zahl, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: rund 11 Minuten für fast 1.000 Höhenmeter. Für die damalige Zeit war das ein kleines Wunder.
Die „Haflingerstunde“: Als die Seilbahn auch für Einheimische leistbar wurde
So modern die Bahn war – billig war sie nicht. Eine Berg- und Talfahrt kostete 5 Lire. Wenn man bedenkt, was man damals am Tag verdiente, war das ein echtes Brett.
Und genau hier zeigt sich, wie sehr diese Bahn zum Leben der Menschen gehörte: Es gab eine Lösung. Die Betreiber führten die „Haflingerstunde“ ein – zu bestimmten Zeiten konnten Einheimische deutlich günstiger fahren. Eine kleine Maßnahme, die viel erzählt: Diese Seilbahn war kein Luxus-Spielzeug. Sie war Teil des Alltags.
Wintersport: Plötzlich war „oben“ nicht mehr nur etwas für die Härtesten
Mit der Bahn veränderte sich auch das, was man im Winter überhaupt „machen konnte“. Wer vorher Ski fahren wollte, brauchte Kondition und Zeit – der Aufstieg war Teil des Preises. Die Seilbahn kürzte das Ganze drastisch ab. Und auf einmal wurde das Plateau auch im Winter spannend: Hütten, Wochenenden, Ausflüge – vieles, was später selbstverständlich wurde, bekam hier seinen frühen Schub.
Warum sie verschwand – und warum sie trotzdem bleibt
Bis in die frühen 1980er war die Bahn für viele die wichtigste technische Verbindung zwischen Tal und Hochplateau. Dann kam die Straße – praktisch, schnell, flexibel. Und genau das wurde der Seilbahn zum Verhängnis. 1984 war Schluss.
Heute erinnern nur noch wenige Spuren an dieses Kapitel. Aber die Geschichte selbst ist geblieben: als Beispiel dafür, wie eine technische Idee eine Region verändern kann – nicht laut, nicht pompös, sondern ganz konkret im Leben der Menschen.




